Institut für Pflegewissenschaft

Medizinische Universität Graz

Transdisziplinäres Forschungs- und Kompetenznetzwerk Lebensende (Netzwerkprojekt)

Stronegger WJ, Schaupp W, Attems K, Platzer J, Sohar B, Großschädl F, Lohrmann C

Hintergrund

Medizinische Entscheidungen am Lebensende und die Frage nach dem guten Sterben sind seit mehreren Jahren regelmäßig Gegenstand medialer Debatten. Abseits dieses öffentlichen Diskurses im Spannungsfeld von Patientinnen- und Patientenautonomie und medizinischer Fürsorge ist über die tatsächlichen Umstände des Sterbens wenig bekannt. Um der Komplexität der Situationen am Lebensende gerecht zu werden, bedarf es daher sowohl transdisziplinärer Kooperationen als auch interdisziplinärer wissenschaftlicher Diskurse.

Ziel

Ein langfristiges Ziel des Netzwerkprojektes ist die Etablierung eines österreichischen Forschungsschwerpunktes zum Thema Lebensende. Es soll dazu beitragen, Handlungs- und Orientierungswissen zu generieren und auf Fragen zur Gestaltung des Lebensendes angemessene gesellschaftspolitische Antworten geben zu können. Die zu behandelnden Kernthemen eines solchen For-schungsschwerpunktes könnten unter anderem folgende Punkte beinhalten: Wertewandel und Lebensende, demografischer Wandel und Lebensende so-wie technischer Wandel und Lebensende.

Methode

Zur Förderung des Transfers akademischen Wissens in die Gesellschaft hat das Bundesministerium für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft vier Wissenstransferzentren an heimischen Universitäten gegründet. Ziel dieser Zentren ist die Vernetzung wissenschaftlicher Einrichtungen und die Förderung von Kooperationen mit außeruniversitären Institutionen. Dabei steht die Forcierung sozialer Innovationen zur Lösung gesellschaftlicher Fragestellungen und Probleme im Mittelpunkt. Das Kooperationsprojekt „Transdisziplinäres Forschungs- und Kompetenznetzwerk Lebensende“ ist im Rahmen des „Wissenstransferzentrums Süd“ angeordnet und widmet sich der Umsetzung dieser Ziele zu aktuellen Fragestellungen der Gestaltung des Lebensendes. Im Oktober 2014 wurde es vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie Graz in Kooperation mit dem Institut für Moraltheologie Graz mit Prof. Willibald J. Stronegger als Projektleiter gegründet. Seit Sommer 2015 ist das Institut für Pflegewissenschaft eine Partnerorganisation des Netzwerks. Im Rahmen dieser Kooperation sollen Synergien genutzt, Kompetenzen sichtbar gemacht und Ergebnisse geteilt werden. Derzeit erfolgt die Umsetzung einer Pilotstudie mit dem Arbeitstitel „Wissensformen und Kommunikation in Entscheidungsprozessen am Lebensende – Erhebung bei medizinischem Personal“.

Diskussion

Die Perspektive der Pflegerfahrung wird bei Debatten betreffend Entscheidungen am Lebensende im öffentlichen Diskurs und in wissenschaftlichen Studien häufig vernachlässigt. Im Gegensatz zu anderen Ländern gibt es aus dem deutschsprachigen Raum kaum empirische Daten zur Einstellung von Pflegenden zu Entscheidungen am Lebensende. Von Änderungen in der Gesetzgebung zur Sterbehilfethematik wäre vor allem medizinisches und pflegerisches Personal betroffen, sowie auch pflegende Angehörige. Somit wäre es für Österreich notwendig, über deren Perspektiven zu medizinischen Entscheidungen am Lebensende mehr zu wissen, um sie in Diskussionen zu diesem Thema integrieren zu können.

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