Institut für Pflegewissenschaft

Medizinische Universität Graz

Tätigkeiten von Pflegefachkräften in der Hausarztpraxis: Internationale Tätigkeitsprofile und Evidenzlage (Kooperationsprojekt)

Muna Abuzahra, Andrea Siebenhofer-Kroitzsch, Karl Horvath, Klaus Jeitler, Nicole Posch, Gerhilde Schüttengruber, Thomas Semlitsch

Kooperationsprojekt mit dem Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierter Versorgungsforschung (IAMEV) im Auftrag des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger

Hintergrund und Ziele

Die Bundes-Zielsteuerungskommission beschloss im Juni 2014 das Konzept zur multiprofessionellen und interdisziplinären Primärversorgung in Österreich, genannt „Das Team rund um den Hausarzt“. Dabei soll in Zukunft eine Hausärztin bzw. ein Hausarzt mit einer diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester und einer Ordinationsassistenz das Kernteam der Primärversorgung bilden. Ziel war es in Hinblick auf die mögliche Durchführung der Basisleistungen aus dem Primärversorgungsauftrag, Literatur zu internationalen Tätigkeitsprofilen von Pflegefachkräften aufzuarbeiten sowie Evidenz für die mögliche Durchführung der Basisleistungen aus dem Primärversorgungsauftrag durch Pflegefachkräfte zu identifizieren und zu bewerten.

Methode

Die Bundes-Zielsteuerungskommission beschloss im Juni 2014 das Konzept zur multiprofessionellen und interdisziplinären Primärversorgung in Österreich, genannt „Das Team rund um den Hausarzt“. Dabei soll in Zukunft eine Hausärztin bzw. ein Hausarzt mit einer diplomierten Gesundheits- und Krankenschwester und einer Ordinationsassistenz das Kernteam der Primärversorgung bilden. Ziel war es in Hinblick auf die mögliche Durchführung der Basisleistungen aus dem Primärversorgungsauftrag, Literatur zu internationalen Tätigkeits-profilen von Pflegefachkräften aufzuarbeiten sowie Evidenz für die mögliche Durchführung der Basisleistungen aus dem Primärversorgungsauftrag durch Pflegefachkräfte zu identifizieren und zu bewerten.

Ergebnisse

Der Tätigkeitsbereich von Pflegekräften ist international sehr breit angelegt, häufig werden jedoch standardisierte diagnostische Maßnahmen sowie standardisierte therapeutische und krankheitspräventive Interventionen durchgeführt. Ein weiteres Resultat der Recherche war, dass sich hauptsächlich zwei pflegerische Berufsgruppen im Setting der Primärversorgung bewegen. Dies sind einerseits die „Practice Nurses“, deren primäre Aufgabe in der Unterstützung des Allgemeinmediziners liegt, und andererseits die „Advanced Nurse Practitioners“, die auf der Grundlage einer vertieften Ausbildung (meistens Masterniveau) einen erweiterten Kompetenzbereich haben. Diese sind mit-unter auch in Hausarzt substituierender Position tätig. In der Übersichtsarbeit zeigte sich unter den 19 eingeschlossenen, systematischen Reviews eine sehr heterogene Literatur. Doch auch hier zeigt sich eine Tendenz bezüglich Tätigkeiten beim Management von chronischen Erkrankungen. Der Umfang der Tätigkeiten war dabei in den einzelnen Studien sehr unterschiedlich und reichte von der Delegation einiger weniger einfacher Aufgaben bis hin zur Substitution eines umfassenden Versorgungsmanagements inklusive Diagnostik, Therapie, Patientenschulungen und Beratungen. In vielen Fällen war eine Supervision durch den Arzt bzw. eine Rücksprache mit diesem vorgesehen bzw. möglich. Hinsichtlich der Qualifikation mussten die Pflegefachkräfte in den Studien zumeist spezifische Zusatzausbildungen absolvieren und waren häufig auch akademisch ausgebildet („Nurse Practitioners“). Es kann abgeleitet werden, dass Pflegekräfte insbesondere mit entsprechender Ausbildung ärztliche Tätigkeiten ohne Verschlechterung der Versorgung übernehmen können, vor allem dann, wenn Protokolle und Leitlinien vorhanden sind.

Ein Großteil der Leistungen aus dem Primärversorgungsauftrag können vom gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege (als „Generalist“) laut dem derzeitig geltendem GuKG übernommen werden, wobei sich hier zeigte dass das Gesetz weite Interpretationsspielräume offen lässt.

Schlussfolgerung

Aus den Ergebnissen lässt sich folgern, dass die Übernahme von Tätigkeiten durch Pflegekräfte insbesondere dann gut möglich ist, wenn eine klare Definition des Aufgabenbereiches sowie Leitlinien und Checklisten vorhanden sind. In Österreich ist es wünschenswert, Pflegekräfte den internationalen Standards entsprechend spezifisch für den Primärversorgungsbereich auszubilden sowie ein Pflegegesetz zu schaffen, das die Befugnisse von Pflegekräften (insbesondere in Abgrenzung zu Ärzten) genauer umreißt.

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